Überschwemmungen, Stürme und Waldbrände verursachen jedes Jahr immense Schäden. 2024 mussten Rückversicherer erneut tief in die Tasche greifen. Welche Folgen hat das für Hausbesitzer und Versicherte?

Drohnenaufnahme der überfluteten Umgebung in Polen, Schlesien. Dasselbe Hochwasser 2024 hat auch teils Sachsen getroffen. Foto von Elżbieta Kaps
Naturkatastrophen belasten Versicherer weltweit
Rückversicherungen spielen eine entscheidende Rolle, wenn es um die Absicherung extremer Wetterereignisse geht. 2024 war ein besonders kostspieliges Jahr: Allein in Deutschland führten Hochwasser und Stürme zu Versicherungsschäden auf Rekordhöhen.
Die größten Rückversicherer sind die Münchener Rück und die Hannover Rück. Entsprechend aussagekräftig sind ihre Geschäftsbilanzen. Mittlerweile haben beide ihre Zahlen für das abgelaufene Jahr 2024 vorgelegt.
Insgesamt beliefen sich die Gesamtschäden durch Naturkatastrophen für die beiden auf über 10 Milliarden Euro – ein deutlicher Anstieg gegenüber den rund 8 Milliarden Euro im Jahr 2023.
Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) war die Zeit von Mitte 2023 bis Mitte 2024 die niederschlagsreichste Zwölfmonatsperiode seit Beginn der Aufzeichnungen. Global gesehen gehörten auch Hurrikane in den USA und Waldbrände in Kanada zu den größten Schadentreibern.
Schadenssummen der Rückversicherer
Hannover Rück
- Hurrikan Milton (USA, Oktober 2024): 596,1 Mio. EUR brutto, 230,0 Mio. EUR netto
- Baltimore-Brückenunglück (März 2024): 314,7 Mio. EUR brutto, 102,6 Mio. EUR netto
- Flut in Ost- und Südosteuropa (September 2024): 206,4 Mio. EUR brutto, 193,9 Mio. EUR netto
- Hurrikan Helene (USA, September 2024): 188,9 Mio. EUR brutto, 116,2 Mio. EUR netto
- Hochwasser in Süddeutschland (Juni 2024): 78,5 Mio. EUR brutto, 52,8 Mio. EUR netto
Munich Re
- Gesamtschäden durch Naturkatastrophen: Über 5 Mrd. EUR im Jahr 2024
- Hochwasser in Deutschland und Europa: Mehrere hundert Millionen Euro an Schadenzahlungen
- Hurrikane in Nordamerika: Besonders hohe Belastung durch die Wirbelstürme in den USA
- Waldbrände in Kanada: Große Schäden, insbesondere in der Provinz British Columbia
- Erhöhte Schäden durch Extremwetter: Stürme, Starkregen und Dürren belasten das Geschäft zusätzlich
Beide Unternehmen konnten in der Erneuerungsrunde 2024 deutliche Prämienanpassungen durchsetzen, was wiederum Erstversicherer vor Herausforderungen stellt.
Wenn Versicherer ins Straucheln geraten
Wie stark der Klimawandel und die damit verbundenen Unwetterschäden Versicherungen belasten, zeigt das Beispiel der Nürnberger Versicherung. Sie musste ihre Geschäftspolitik aufgrund der hohen Unwetterschäden und daraus resultierendem negativen Konzernergebnisses von bis zu minus 85 Millionen Euro anpassen und ein Sparprogramm aufsetzen.
Geplante Maßnahmen:
- Prämienerhöhungen für bestimmte Policen
- Aufgabe unrentabler Geschäftsfelder
- Dividende für Aktionäre massiv gesenkt, was als Zeichen für große Probleme ausgelegt werden muss.
Der Fall zeigt, dass nicht nur Rückversicherer betroffen sind, sondern auch Erstversicherer massiv unter Druck geraten.
Warum Gebäudeversicherungen immer teurer werden
Steigende Schadenssummen bedeuten, dass auch Erstversicherer ihre Prämien erhöhen müssen. Besonders in Hochwassergebieten werden Gebäudeversicherungen teurer oder schwerer abschließbar. In Deutschland haben bereits einige Versicherer die Bedingungen für neue Policen verschärft, sodass nicht jeder Hauseigentümer problemlos eine umfassende Elementarschadenversicherung erhält.
Wie sich Hausbesitzer schützen können
Immobilienbesitzer sollten jetzt handeln, bevor Prämien weiter steigen. Sinnvolle Maßnahmen sind:
- Versicherungspolicen prüfen: Deckt die eigene Wohngebäudeversicherung alle relevanten Naturgefahren ab?
- Nachrüsten gegen Hochwasser: Wasserdichte Türen und Schutzbarrieren können Schäden minimieren.
- Beratung in Hochrisikogebieten: Eine professionelle Einschätzung durch Versicherungsberater kann sinnvoll sein.
Fazit
Rückversicherungen sind die letzte Absicherung, wenn Naturkatastrophen Milliarden-Schäden verursachen. Doch letztlich werden diese Kosten über auf die Versicherungsnehmer umgelegt. Wer rechtzeitig vorsorgt, kann sich vor explodierenden Prämien und finanziellen Risiken schützen.