Ratgeber

Sondervermögen: Kommt die Bauzins-Erhöhung mit Ansage?

Die neue Regierung steht noch nicht, trotzdem macht sie Nägel mit Köpfen und will sich über Jahrzehnte weiter hoch verschulden. Das hat massive Auswirkungen auf die Inflation und auf Bauzinsen. Jetzt.

Das 500-Milliarden-Sondervermögen von CDU, CSU und SPD soll Deutschlands Wirtschaft mit neuen Impulsen versorgen. Dringend benötigte Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung sollen das Land wieder an die Spitze führen. Doch Sondervermögen klingt schöner, als es ist – letztlich bedeutet es schlichtweg mehr Schulden. Und Schulden, das zeigt die Geschichte, führen fast immer zu höherer Inflation.

Inflation, Zinsen und die Finanzmärkte

Die Konsequenz zeigt sich bereits: Die Renditen für deutsche Staatsanleihen, ein wichtiger Indikator für die Finanzmarktstabilität, sind nach der Bekanntgabe des Fiskalpakets sprunghaft angestiegen. Noch vor wenigen Tagen lag die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe unter 2,50 Prozent – nun kratzt sie an der 3-Prozent-Marke. Ein solcher Anstieg wurde zuletzt zur Zeit der Wiedervereinigung beobachtet.

Hintergrund: Anleger erwarten höhere Zinsen, um das gestiegene Risiko der höheren Staatsverschuldung auszugleichen. Denn mit steigender Inflation verliert das geliehene Geld an Wert. Experten des Interhyp-Bankenpanels hatten mit einem derartigen Anstieg der Renditen auf das aktuelle Niveau erst im Laufe der zweiten Jahreshälfte gerechnet. „Angesichts der großen Herausforderungen, wie zum Beispiel Verteidigung, Infrastruktur oder Energiewende, wird Europa in den kommenden Monaten tiefer in die Schuldentasche greifen“, erklärte etwa Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING und Mitglied des Interhyp Bankenpanels. Zunehmende Staatsverschuldung würde auch die Kapitalmarktzinsen wieder steigen lassen. Genau dieser Effekt wurde nun durch das geplante Investitionsprogramm der Union und der SPD ausgelöst.

Die Leitzinssenkungen der EZB um weitere 25 Basispunkte auf 2,5% hat hingegen keinen Einfluss auf die aktuelle Entwicklung der Bauzinsen. Dieser Schritt war erwartet worden und ist in den aktuellen Konditionen bereits eingepreist.

Kurzfristige Folgen für Kaufinteressierte

„Durch den kurzfristigen Anstieg der Renditen der 10-jährigen Bundesanleihen werden auch die Bauzinsen nach oben gehen“, sagt Interhyp-Vertriebsvorständin Mirjam Mohr. Das Zinsumfeld bleibe weiterhin volatil. „Von einem Niveau wie 2023, als die Zinsen für zehnjährige Darlehen zeitweise bei deutlich über 4 Prozent lagen, sind wir aktuell aber immer noch entfernt“, sagt Mohr.

Besonders alarmierend: Laut Marktbeobachtern ist dies die stärkste Zinserhöhung innerhalb eines Tages seit 1990. Für den deutschen Staat bedeutet dies höhere Finanzierungskosten, die langfristig den Haushalt belasten werden. Zudem könnte es schwieriger werden, Investoren für weitere Anleihen zu finden, ohne deutliche Zinsaufschläge zu gewähren.

Steigende Bauzinsen: Immobilienkäufer in Panik

Diese Entwicklung hat drastische Folgen für Immobilienkäufer. In den sozialen Medien überschlugen sich die Meldungen vieler Betroffener User:

"Commerzbank zieht meine Baufinanzierungsangebot morgen zurück. Wenn ich nicht zusage, zahle ich morgen deutlich mehr!", kommentiert ein User, ein weiterer: "Dr. Klein hat sich bei mir meldet: ING hebt morgen die Konditionen um 50 Basispunkte an!"
Laut Finanzexperten sei die Dynamik eindeutig: Banken refinanzieren Baukredite am Pfandbriefmarkt, der sich eng an den Renditen der Staatsanleihen orientiert. Und wenn diese steigen, steigen auch die Bauzinsen. Innerhalb weniger Stunden kletterten sie um 0,50 Prozentpunkte. Das bedeutet: Wer sein Darlehen nicht rechtzeitig fixiert hat, zahlt für die gleiche Immobilie plötzlich mehrere tausend Euro mehr – Jahr für Jahr, weil heute das Geld deutlich weniger Wert war als g

estern. 

Die Immobilienbranche ist in heller Aufregung. "Die Banken haben bereits großflächig reagiert und das in ungewohnter Höhe und Geschwindigkeit", sagte Karsten Schiefelbein von der Baufinanzierungsvermittlung Creativa dem Handelsblatt. Er warnt davor, dass sich dieser Trend noch verschärfen könnte. Besonders heikel ist die Lage für Anschlussfinanzierungen: Wer in den nächsten Monaten eine neue Finanzierung benötigt, sollte sich dringend um eine Zinsbindung kümmern.

Was bedeutet das für den Immobilienmarkt?

Noch sind die Bauzinsen mit 3,5 bis 4 Prozent niedriger als auf dem Höchststand von 2023, als sie teilweise die 4,5-Prozent-Marke überschritten. Doch die aktuelle Volatilität verunsichert viele Kaufinteressenten.

Banken reagieren bereits mit verkürzten Annahmefristen für Finanzierungsanfragen – eine Praxis, die zeigt, wie groß die Unsicherheit ist. Einige Kreditgeber prüfen neue Anfragen nur noch unter Vorbehalt, um keine zu günstigen Zinsen festzusetzen, die sie später nicht mehr halten können.

Ein weiteres Problem: Die steigenden Finanzierungskosten dürften die Nachfrage nach Immobilien weiter drosseln. Der ohnehin schwächelnde Immobilienmarkt könnte damit vor einer neuen Belastungsprobe stehen. Besonders betroffen sind potenzielle Erstkäufer, die auf bezahlbare Finanzierungen angewiesen sind. Experten sehen das Risiko, dass sich der Markt weiter abkühlt, was wiederum auf die Preise drücken könnte.

Fazit: Wer aktuell eine Immobilie finanzieren will, sollte sich beeilen. Denn auch wenn die EZB Zinssenkungen plant, bedeutet das keineswegs, dass Baukredite günstiger werden – im Gegenteil. Die steigende Staatsverschuldung könnte die Inflation weiter anheizen, was auf lange Sicht noch höhere Marktzinsen nach sich zieht. Der Traum vom Eigenheim dürfte für viele dadurch in weite Ferne rücken.

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