In Deutschland seit Ewigkeiten Standard, in den USA nun der „coolste“ Tipp auf TikTok: Lüften. Die amerikanischen Social-Media-Nutzer feiern das Öffnen von Fenstern als bahnbrechende Wellness-Methode. Warum frische Luft jetzt plötzlich zum Selbstfürsorge-Hype wird und was wir Europäer darüber denken.
Die Luftqualität Zuhause hat ein erhebliches Ausmaß auf deine Gesundheit. Foto: iStock.com / AlbinaYalunina
Frische Luft als Revolution? Wie Lüften die USA erobert
Die neueste Errungenschaft aus Europa ist in den USA gelandet – nein, nicht Brot oder Bier, sondern das Öffnen von Fenstern. Ja, richtig gelesen: Lüften. Was bei uns längst Alltag ist, wird jenseits des Atlantiks als revolutionäre Wellness-Innovation gehandelt. Auf TikTok überschlagen sich Influencer, wenn sie darüber sprechen, wie sehr das Lüften ihr Leben verbessert hat. „Es ist unglaublich! Öffne einfach deine Fenster und die Luft wird... frischer“, schwärmt TikTok-Star Holly. Fast so, als hätten die Bewohnern des „Land of the Free“ gerade das Rad neu erfunden – nur eben für ihre Wohnräume. Willkommen im „Land of the Frischluft“!
In ihrem Clip empfiehlt sie ein bis zwei Mal am Tag für 5 bis 7 Minuten zu lüften, das bringe frische Luft ins Haus und es mindere so das Kondenswasser am den Fenstern. Begeistert erklärt sie "Dry as a bone". Die Fenster seien also knochentrocken.
@this_is_holly_ Open those windows and get the air exchanged! It makes a huge difference! Thanks to the awesome people in Germany! #lüften #airexchange #germany #germanthings #openwindows
♬ original sound - Holly 🩷
Raketen landen, Fenster öffnen – willkommen im Land der Extreme
Es ist schon irgendwie absurd: Auf der einen Seite ist es das Land, das mit seinem unglaublichen Erfindergeist und bahnbrechender Technik Raketen nicht nur ins All schießt, sondern – wie diese Woche mit viel Jubel und Tamtam bewiesen – auch wieder zentimetergenau auf der Erde landen lässt. Auf der anderen Seite dasselbe Land, das zur gleichen Zeit begeistert lernt, wie man eine Wohnung lüftet. Während wir in Europa nur müde lächeln, staunen die Amerikaner auf TikTok über die bahnbrechende Entdeckung, dass das Öffnen von Fenstern tatsächlich frische Luft in ihre Wohnräume bringt. Dass es in dieser Woche also beides geschafft hat – mit der Landung der Rakete wieder mal die Grenzen des schier Unmöglichen zu verschieben und gleichzeitig die Fenster des eigenen Hauses zu öffnen – sagt viel über die wunderbaren Gegensätze der USA aus.
Warum Lüften in den USA nicht üblich ist
Doch warum ist das Lüften in den USA überhaupt so eine Sensation? Der Hintergrund ist banal. Klimaanlagen. In den meisten amerikanischen Haushalten ist die Klimaanlage Standard, sei es im heißen Sommer oder im kalten Winter. Bei Außentemperaturen, die oft entweder zu heiß oder zu kalt sind, wird das Fensteröffnen eher als ineffektiv angesehen. Frische Luft von draußen? Für viele Amerikaner war das bisher keine Option, denn die Klimaanlage regelt alles. Doch der Lüften-Trend zeigt: Manchmal braucht es eben keinen High-Tech-Komfort, um das Raumklima zu verbessern – ein offenes Fenster reicht.
Lüften ist keine Raketenwissenschaft
So beeindruckend wie die präzise Landung einer Rakete mag Lüften zwar nicht sein, aber es basiert ebenfalls auf einfacher Physik – nur eben deutlich entspannter: Warme Luft hat viele Wassermoleküle aufgenommen. Beim Lüften entweicht diese feuchte Luft durch das geöffnete Fenster, während kühlere und vor allem trockenere Außenluft nachströmt. Diese frische Luft nimmt wiederum Feuchtigkeit auf, wodurch das Raumklima verbessert wird. Der Effekt? Weniger Schimmelgefahr und eine angenehmere Luftqualität. Keine Magie, sondern einfache Physik – „no rocketscience“.